Wer ein Haustier in die Familie aufnehmen möchte, sollte nicht zuerst nach dem süssesten Tier suchen. Entscheidend ist, ob seine Bedürfnisse zum Familienalltag passen und ob genügend Platz, Zeit und Geld vorhanden sind. Auch die Erwartungen der Kinder spielen eine wichtige Rolle. Denn wer sich ein Tier zum Spielen und Streicheln wünscht, trifft mit einem Nager möglicherweise die falsche Wahl.
Ein Haustier ist eine Entscheidung der ganzen Familie
Ein Haustier ist ein besonderes Familienmitglied, erfährt in der Regel jede Menge Zuneigung und benötigt viel Aufmerksamkeit. Viele Kinder wünschen sich ein Haustier. Auch Erwachsene, die selbst mit einem Tier aufgewachsen sind, möchten diese Erfahrung häufig an ihre Kinder weitergeben.
Die Bedürfnisse eines Haustiers und der damit verbundene Aufwand sind jedoch nicht zu unterschätzen. Rommy Los, Geschäftsleiter und Verantwortlicher Tierheim beim Zürcher Tierschutz, betont: «Damit es unseren Haustieren tatsächlich gut geht, müssen wir mehr tun, als sie nur gernhaben. Wir müssen ihre Bedürfnisse kennen, damit wir diese erfüllen können.»
Teamwork macht’s aus
Ein wichtiger Aspekt ist das Einverständnis aller Familienmitglieder, ein Haustier aufzunehmen. Auch das Wohlbefinden der gesamten Familie spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle. Niemand sollte beispielsweise eine ungünstige Allergie auf Tierhaare haben oder empfindlich auf Schmutz und Gerüche reagieren, die sich mit einem Haustier kaum vermeiden lassen.
«Auf keinen Fall sollte ein Haustier spontan oder als Überraschungsgeschenk gekauft werden», sagt Rommy Los. «Auch ein eigennütziger Wunsch wie zum Beispiel nach etwas Abwechslung ist langfristig weder für Mensch noch Tier ein guter Beweggrund, sich ein Haustier zu holen.»

Als Nächstes kann bestimmt werden, welchen Aufwand die Familie überhaupt zu leisten bereit ist und welches Familienmitglied welche Aufgaben übernehmen möchte. Mehreren Personen muss bewusst sein, wie viel Zeit und Aufwand sie ins Tier investieren und wie sie dies in ihren Alltag integrieren werden.
«Das Wichtigste ist, auch wenn Kinder in der Familie bei der Tierpflege helfen und Aufgaben übernehmen: Die Verantwortung muss immer bei den Eltern liegen», sagt Los.
Platz, Zeit und Geld
Stark vereinfacht lässt sich der Aufwand, um die Bedürfnisse eines Haustiers zu erfüllen, mit drei Stichworten zusammenfassen: Platz, Zeit und Geld. Die Frage nach genügend Platz sollte nicht unterschätzt werden, denn oft benötigen besonders kleine Tiere mehr Raum als gedacht. Schliesslich verbringen viele Haustiere ihr ganzes Leben in einem Gehege oder Terrarium. Wer zur Miete wohnt, sollte ausserdem prüfen, ob der Mietvertrag die Haltung des gewünschten Haustiers erlaubt.

Ist die Frage des Platzes geklärt, sollte die Familie überlegen, wie viel Zeit sie für das Tier aufbringen kann. Dabei geht es nicht nur um die Eingewöhnung und die tägliche Pflege. Hunde brauchen beispielsweise viel gemeinsam und aktiv verbrachte Zeit mit ihrer Familie.
«Ein Fehler, der leider oft passiert, ist, zu sehr auf das Aussehen des Tiers zu achten», sagt Rommy Los. So kann ein Husky noch so süss aussehen. Wenn seine Halterinnen und Halter kaum Zeit für ihn haben, wird er sein Unwohlsein mit Markieren auf dem Teppich, Bellen in der Wohnung oder auf sonstige Weise zum Ausdruck bringen. In einem solchen Fall hätte eine weniger anspruchsvolle Tierart möglicherweise besser zum Alltag der Familie gepasst.
Auch die nächsten Jahre gehören zur Entscheidung
Wie viel gemeinsame Zeit ein Haustier braucht, unterscheidet sich von Tierart zu Tierart. Während ein Hund ohne den Menschen kaum etwas Spannenderes unternehmen kann, als sich zu entspannen, können sich Katzen im Freigang sehr gut selbst beschäftigen. Noch weniger gemeinsame Zeit brauchen Kleinnager wie zum Beispiel Rennmäuse. In der Gruppe beschäftigen sie sich miteinander und erhalten so Abwechslung.

Entscheidend ist, Platz, Zeit und Geld nicht nur für die ersten Monate zu betrachten. «Wichtig ist, die drei Kriterien Platz, Zeit und Geld über die zu erwartende Lebensdauer des Tiers hinweg zu betrachten», sagt Rommy Los.
So ist es vielleicht aktuell möglich, den Hund mit zum Arbeitsplatz zu nehmen, doch in einigen Jahren könnte das wegen eines Stellenwechsels nicht mehr der Fall sein. Solche Szenarien sollten vor der Anschaffung mit der Familie besprochen werden. Dazu gehören auch mögliche finanzielle Schwierigkeiten und nicht einkalkulierte Kosten, etwa Arztrechnungen nach einem Unfall oder einer Krankheit des Haustiers.
Erwartungen der Kinder ernst nehmen
Sind Raum, Zeit und Geld besprochen und konnte ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, bleiben die Wünsche der Familie. Viele Kinder wünschen sich ein Tier, das sie streicheln können. Dafür eignen sich laut Zürcher Tierschutz eigentlich nur Katzen und Hunde. Viele andere Tiere sind von Natur aus Fluchttiere, wollen in der Regel lieber unberührt bleiben und befassen sich lieber mit natürlichen Einrichtungen und Beschäftigungsmaterialien, die ihnen angeboten werden.

Damit ein Tier möglichst reibungslos in die Familie aufgenommen werden kann, müssen sich auch die jüngsten Familienmitglieder der Bedürfnisse des Tiers sowie der eigenen Wünsche bewusst sein. Auch was Haustiere ihren Familien mitteilen möchten, kann Kindern helfen, ihre Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
«Um die Kinder bei der Wahl des Haustiers miteinzubeziehen, sollte nach ihren Erwartungen gefragt werden», sagt Rommy Los. So können Kinder zum Beispiel äussern, dass sie ein Tier vor allem beobachten wollen, wofür sich Nager und Reptilien gut eignen.
Wünschen sie sich lieber ein Tier zum Spielen und Streicheln, dann wäre vor allem ein Hund oder eine Katze besser geeignet. Diese Tatsache und welche Bedürfnisse Haustiere haben, kann den Kindern altersgemäss erklärt werden.
Kindern die Bedürfnisse des Tiers erklären
«Diese Bedürfnisse können auch veranschaulicht werden, indem man das Tier mit dem Kind vergleicht», erklärt der Geschäftsleiter des Tierheims. So lässt sich dem Kind zum Beispiel erklären, dass der Hund auch gebadet werden muss oder ein Lieblingsfutter hat.
Nach demselben Prinzip lässt sich erklären, dass ein Hund bei viel Lärm überfordert sein kann und auch mal seine Ruhe braucht. Das kennt auch ein Kind, das sich mit einem Bilderbuch in sein Zimmer zurückzieht. So kann es besser verstehen, weshalb es den Vierbeiner in seiner Hundebox nicht stören sollte, und einen respektvollen Umgang mit dem Tier erlernen.



