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Gewaltfreie Erziehung: Das ändert sich ab 1. Juli für Eltern in der Schweiz

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
08.06.2026
Familie verbringt gemeinsam Zeit zuhause
Ab Juli 2026 wird die gewaltfreie Erziehung ausdrücklich im Schweizer Gesetz verankert.
Darum gehts
  • Ab dem 1. Juli 2026 wird die gewaltfreie Erziehung ausdrücklich im Zivilgesetzbuch verankert.
  • Gewalt gegen Kinder war bereits bisher verboten, das Gesetz schafft nun mehr Klarheit.
  • Eltern und Kinder sollen einfacher Zugang zu Beratung und Unterstützung erhalten.

Gewaltfreie Erziehung wird ab dem 1. Juli 2026 ausdrücklich im Schweizer Gesetz verankert. Ein Klaps, ein fester Griff am Arm oder ein Anschreien im Streit gehören für viele Familien zu belastenden Alltagssituationen. Was sich nun rechtlich ändert, wo die Grenzen liegen und warum es dabei vor allem um Unterstützung statt Bestrafung geht.

Was sich ab dem 1. Juli 2026 ändert

Die Schweiz verankert das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung ausdrücklich im Zivilgesetzbuch. Das Parlament verabschiedete die Gesetzesänderung am 26. September 2025. Der Bundesrat setzte sie am 25. Februar 2026 auf den 1. Juli 2026 in Kraft.

Wichtig dabei: Gewalt gegen Kinder war auch bisher nicht erlaubt. Die neue Regelung schafft kein völlig neues Verbot, sondern hält den Grundsatz der gewaltfreien Erziehung ausdrücklich im Gesetz fest.

Gewalt war schon bisher nicht erlaubt

Viele Eltern fragen sich, ob nun plötzlich neue Strafen drohen. Genau darum geht es nicht.

Schon bisher konnten körperliche Übergriffe rechtliche Folgen haben. Allerdings bestand eine gewisse Unsicherheit, weil leichte körperliche Bestrafungen ohne sichtbare Verletzungen teilweise geduldet wurden.

Mit der neuen Regelung wird diese Grauzone beendet. Der Gesetzgeber stellt klar: Kinder haben Anspruch auf eine gewaltfreie Erziehung.

Was gilt als Gewalt?

Wenn von Gewalt gesprochen wird, denken viele zuerst an Ohrfeigen oder Schläge. Die neue Regelung umfasst jedoch mehr als körperliche Übergriffe.

Mutter spricht mit einem Kind in einer schwierigen Situation
Zur gewaltfreien Erziehung gehört auch ein respektvoller Umgang in Konfliktsituationen.

Dazu gehören körperliche Strafen wie Schläge, Ohrfeigen, Stossen oder das grobe Packen eines Kindes. Gleichzeitig macht das Gesetz deutlich, dass auch psychische Gewalt eine wichtige Rolle spielt. Dazu zählen etwa Anschreien, Drohungen, Demütigungen oder Liebesentzug als Druckmittel.

Entscheidend ist dabei nicht, ob Eltern ihrem Kind bewusst schaden wollen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie sich ein Verhalten auf das Kind auswirkt und welche Folgen es für seine Entwicklung haben kann.

Warum die Gesetzesänderung kommt

Die Diskussion über gewaltfreie Erziehung begleitet die Schweiz seit Jahren. Studien zeigen, dass psychische Gewalt weiterhin weit verbreitet ist.

Mehr als die Hälfte aller Kinder erlebt psychische Gewalt in der Erziehung. Zudem berichtet gut jedes vierte Kind von körperlicher Bestrafung.

Mit der neuen Bestimmung will die Schweiz den Schutz von Kindern stärken und gleichzeitig Eltern besser unterstützen.

Unterstützung statt Bestrafung

Ein wichtiger Teil der Gesetzesänderung wird oft übersehen: Die Kantone müssen künftig sicherstellen, dass Eltern und Kinder Zugang zu Beratungsangeboten haben.

Gerade im Familienalltag geraten Mütter und Väter immer wieder an ihre Grenzen. Schlafmangel, Stress im Beruf, finanzielle Sorgen oder Konflikte innerhalb der Familie können dazu führen, dass Situationen eskalieren.

Die neue Regelung soll deshalb nicht nur Kinder schützen, sondern auch Familien entlasten. Wer Unterstützung braucht, soll diese einfacher finden.

Hilfsangebote bieten unter anderem Kinderschutz Schweiz oder Pro Juventute. Dort erhalten Eltern Beratung, Informationen und Unterstützung in schwierigen Situationen.

Was bedeutet das konkret für Familien?

Für die meisten Familien wird sich im Alltag wenig ändern. Eltern, die bereits auf einen respektvollen Umgang setzen, müssen keine Anpassungen vornehmen.

Die neue Regelung soll vor allem Orientierung geben und deutlich machen, dass Konflikte ohne Gewalt gelöst werden können. Gleichzeitig sollen Eltern einfacher Unterstützung erhalten, wenn sie an ihre Grenzen kommen.

Häufige Fragen zur gewaltfreien Erziehung

Drohen Eltern ab Juli 2026 neue Strafen?

Das Gesetz schafft kein neues Strafrecht. Es hält den Grundsatz der gewaltfreien Erziehung ausdrücklich fest und soll vor allem Klarheit schaffen.

War ein Klaps bisher erlaubt?

Körperliche Gewalt war grundsätzlich nie erwünscht. In der Praxis wurden leichte körperliche Bestrafungen teilweise geduldet. Diese Unsicherheit wird nun beendet.

Gilt Anschreien ebenfalls als Gewalt?

Ja. Das Gesetz erwähnt ausdrücklich auch psychische Gewalt. Dazu können beispielsweise Anschreien, Drohungen oder Demütigungen gehören.

Wo finden Eltern Hilfe und Beratung?

Beratungsangebote bieten unter anderem Pro Juventute, Kinderschutz Schweiz sowie verschiedene kantonale Familien- und Erziehungsberatungsstellen.

Worauf es jetzt ankommt

Elternsein ist nicht immer einfach. Stress, Zeitdruck und Konflikte gehören in vielen Familien zum Alltag. Die neue Regelung soll deshalb nicht nur Kinder schützen, sondern auch Eltern stärken.

Familie sitzt gemeinsam an einem See bei Sonnenuntergang
Die neue Regelung soll Familien Orientierung und Unterstützung bieten.

Entscheidend ist nicht das Gesetz allein, sondern wie Familien im Alltag miteinander umgehen. Wer Unterstützung sucht, wenn Situationen schwierig werden, hilft damit nicht nur seinem Kind, sondern oft auch sich selbst.

Auch bei Schulnoten oder Zeugnissen ist ein ruhiger und respektvoller Umgang oft wichtiger als die Note selbst. Mehr dazu im Artikel über schlechte Zeugnisse.

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