Ferien können länger nachwirken, als viele vermuten. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse kommt zum Schluss, dass das Wohlbefinden von Erwachsenen auch rund drei Wochen nach den Ferien noch über dem Ausgangsniveau liegen kann. Was während der Ferien zum Wohlbefinden beiträgt, muss dabei nicht zwingend mit einer Reise verbunden sein.
Ferien wirken länger als bisher angenommen
Für die Meta-Analyse werteten Forschende der University of Georgia und der Auburn University 32 Studien aus neun Ländern aus. Das Ergebnis widerspricht der früheren Annahme, dass der Erholungseffekt von Ferien nach der Rückkehr in den Alltag rasch verschwindet. Beim letzten Messzeitpunkt der ausgewerteten Studien, durchschnittlich rund 21 Tage nach den Ferien, lag das Wohlbefinden noch über dem Niveau vor der Auszeit.
Dabei ist eine Einschränkung wichtig: Untersucht wurden Beschäftigte und damit Erwachsene. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass Ferien bei Kindern genau gleich wirken oder der Effekt bei ihnen ebenfalls drei Wochen anhält. Die Untersuchung zeigt aber, dass eine Auszeit für Erwachsene nachhaltiger sein kann als lange angenommen.
Bewegung fällt unter den Ferienaktivitäten auf
Die Forschenden untersuchten auch, welche Tätigkeiten während der Ferien mit dem Wohlbefinden zusammenhingen. Unter den erfassten Freizeitbeschäftigungen zeigte sich der stärkste Zusammenhang bei körperlicher Aktivität. Bewegung war während der Ferien mit einem höheren Wohlbefinden verbunden.
Das bedeutet nicht, dass Ruhe auf dem Sofa oder ein gemütlicher Nachmittag keinen Erholungswert haben. Bei passiven Tätigkeiten konnte in der Meta-Analyse lediglich kein statistisch gesicherter Zusammenhang mit einem höheren Wohlbefinden nachgewiesen werden. Aus dem Befund lässt sich deshalb kein Gegensatz zwischen Bewegung und Ausruhen machen.
Für Herbstferien zuhause ist das interessant, weil Bewegung keine Reise voraussetzt. Ein Spaziergang durch raschelndes Laub, eine Runde mit dem Velo, Fussball auf einer Wiese oder gemeinsames Spielen draussen bringen Aktivität in den Tag, ohne dass daraus gleich ein organisierter Ausflug werden muss.

Zuhausebleiben nimmt den Ferien nichts weg
Wer während der Herbstferien nicht verreist, muss die freie Zeit deshalb nicht mit einem Ersatzprogramm füllen. Ein Vormittag im Wald, Kastanien sammeln, Drachen steigen lassen, zusammen backen, zeichnen, basteln oder bei trockenem Wetter länger draussen bleiben sind Möglichkeiten, die sich in einen Ferientag einfügen können.
Gerade der Herbst bietet dafür vieles, was ohnehin vorhanden ist. Blätter, Äste oder Kastanien können beim Spaziergang gesammelt und später zum Spielen oder Basteln verwendet werden. An einem Regentag kann aus einem freien Nachmittag ebenso gut eine lange Spielrunde, gemeinsames Kochen oder Vorlesen werden.
Solche Tage müssen nicht nach einem festen Plan ablaufen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Beschäftigungen unterzubringen. Ferien unterscheiden sich vom Schulalltag gerade dadurch, dass nicht jede Stunde bereits einen Zweck haben muss.
Kinder haben ein Recht auf Erholung und Spiel
Freie Zeit ist bei Kindern mehr als eine Lücke zwischen Schule und anderen Verpflichtungen. Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention hält ausdrücklich das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit fest. Dazu gehören auch Spiel, altersgemässe Erholung sowie die freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.
Das bedeutet nicht, dass Ferien völlig ohne Struktur sein müssen. Familien brauchen Abläufe, und Kinder können ebenso Freude an geplanten Aktivitäten haben. Das Kinderrecht macht jedoch deutlich, dass Erholung und Spiel einen eigenen Wert besitzen und nicht erst durch ein besonderes Ferienerlebnis gerechtfertigt werden müssen.
Wenn Eltern während der Herbstferien arbeiten
Für viele Familien stellt sich allerdings weniger die Frage nach der perfekten Feriengestaltung als jene nach der Betreuung. Die wenigsten Familien können es sich zeitlich oder finanziell leisten, in allen Schulferien freizunehmen.
In vielen Regionen gibt es deshalb Ferienpässe. Je nach Wohnort umfassen sie Tageskurse, Wochenkurse oder Lager. Welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, unterscheidet sich von Region zu Region.
Auch bei organisierter Betreuung muss daraus kein lückenloses Ferienprogramm entstehen. Freie Zeit kann neben geplanten Aktivitäten weiterhin ihren Platz haben.
Warum auch ein leerer Nachmittag seinen Platz haben darf
Gerade wenn Betreuung und Beruf organisiert werden müssen, kann schnell ein dichtes Ferienprogramm entstehen. Für Kinder bedeutet freie Zeit aber auch, selbst entscheiden zu können, was sie mit einem Nachmittag anfangen. Langeweile kann dabei zunächst dazugehören.
Ein zu umfangreiches Programm kann dazu führen, dass Kinder empfindlicher auf Langeweile reagieren und mit unverplanter Zeit weniger anzufangen wissen. Deshalb muss nicht jeder freie Zeitraum bereits im Voraus mit einer Beschäftigung gefüllt werden.
Ein Nachmittag ohne festes Vorhaben ist nicht automatisch eine Lücke, die Eltern schliessen müssen. Ein Kind kann ein angefangenes Spiel weiterführen, draussen etwas entdecken, zeichnen, lesen oder eine Beschäftigung finden, die vorher gar nicht geplant war.



