Simon Aemmer ist Vater von zwei Kindern, arbeitet Vollzeit und produziert seit über zehn Jahren Inhalte für Social Media. Familie und Öffentlichkeit treffen in seinem Alltag deshalb immer wieder aufeinander. Aktuell steht er beim Smile Swiss Influence Award im Finale. Im Interview spricht er darüber, welche Momente er mit anderen teilt, was von seinen Kindern privat bleibt und warum er das Handy manchmal bewusst weglegt.
Der Vater hinter dem Kanal
Simon, erzähl uns kurz von dir. Wer bist du, wenn gerade keine Kamera läuft?
Wenn keine Kamera läuft, bin ich vor allem Ehemann und Vater von zwei Kindern. Meine Familie steht für mich an erster Stelle. Ich arbeite Vollzeit, trainiere regelmässig und produziere seit über zehn Jahren Inhalte für Social Media. Wenn es möglich ist, nehme ich mir auch einen Vatertag, damit ich bewusst für meine Kinder da sein und Zeit mit ihnen verbringen kann. Hinter der Kamera bin ich ein bodenständiger Familienmensch. Ich geniesse gemeinsame Ausflüge, ruhige Feierabende und die kleinen Momente mit meinen Kindern.
Gibt es etwas, das du früher bei anderen Eltern beobachtet und nicht verstanden hast, und seit du selbst Vater bist plötzlich völlig verstehst?
Früher verstand ich nicht, warum Eltern wegen scheinbar kleinen Dingen so emotional werden. Der erste Kindergartentag, ein selbst gemaltes Bild oder ein kurzer Satz des Kindes. Heute lösen genau diese Momente sehr viel in mir aus. Seit ich Vater bin, weiss ich, wie schnell die Zeit vergeht und wie wertvoll solche Augenblicke sind.
Momente, die bleiben
Du hast einmal sinngemäss gesagt, du hoffst, deine Kinder erkennen später, dass die Zeit mit ihnen das Schönste war. Was hat dich dazu gebracht, so zu denken?
Ich habe mir immer gesagt, dass ich meinen Kindern das geben möchte, was ich selbst als Kind nicht oft bekommen habe: gemeinsame Zeit, Aufmerksamkeit und das Gefühl, dass jemand immer für sie da ist. Der Alltag ist oft voll. Arbeit, Termine, Training und Social Media brauchen Zeit. Trotzdem sind die Momente mit meinen Kindern für mich das Wertvollste. Ich möchte, dass sie später nicht daran denken, was wir besassen, sondern wie sie sich bei uns gefühlt haben. Sie sollen wissen, dass ich gerne Zeit mit ihnen verbracht habe und immer für sie da war.
Der erste Kindergartentag deines Sohnes hat dich sichtlich beschäftigt. Was ist in diesem Moment in dir vorgegangen?
Ich war unglaublich stolz, aber auch sehr emotional. Für meinen Sohn begann ein neuer Lebensabschnitt. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie schnell die vergangenen Jahre vorbeigegangen sind. Gefühlt hielt ich ihn gerade erst zum ersten Mal im Arm, und plötzlich ging er in den Kindergarten. Loszulassen gehört zum Vatersein, aber leicht fällt es mir nicht.
Gibt es einen ganz gewöhnlichen Moment aus dem Alltag, den du gerne festhalten würdest?
Ja, die Feierabende mit meinen Kindern. Wenn ich nach Hause komme und sie mir entgegenlaufen oder wir gemeinsam spielen, ist das für mich echtes Glück. Solche Momente wirken von aussen unspektakulär. Für mich sind sie unbezahlbar. Genau daran möchte ich mich später erinnern.
Was bleibt privat?
Gibt es Momente mit deinen Kindern, bei denen du bewusst denkst: Das gehört nur uns und nicht ins Internet?
Ja, sehr viele. Ich teile gerne schöne Familienausflüge und kleine Einblicke in unseren Alltag. Trotzdem gibt es klare Grenzen. Die Gesichter meiner Kinder bleiben privat. Wir achten sehr darauf, sie nur von hinten oder von der Seite zu zeigen, ohne dass man sie erkennen kann.
Auch persönliche Gespräche, schwierige oder emotionale Situationen, Streit, Krankheit und Momente, in denen sich ein Kind unwohl fühlt, gehören nicht ins Internet. Ebenso teile ich keine genauen Aufenthaltsorte oder festen Abläufe der Kinder. Manchmal filmen wir einen schönen Moment nur für unser privates Familienalbum.
Ich zeige auf Social Media viel aus unserem Leben, aber immer nur den Teil, den wir bewusst teilen möchten. Meine Kinder sollen später selbst entscheiden können, was die Öffentlichkeit von ihnen erfahren darf. Ihre Privatsphäre steht für mich an erster Stelle.
Hast du schon einmal eine Aufnahme gemacht und danach entschieden: Nein, das bleibt bei uns?
Ja. Manchmal halte ich einen schönen Moment spontan fest und merke danach, dass er zu persönlich ist. Dann behalte ich die Aufnahme nur für uns. Ich frage mich immer, ob meine Kinder später damit einverstanden wären. Wenn ich dabei Zweifel habe, veröffentliche ich sie nicht.
Wann merkst du, dass aus einem Familienmoment gerade Content wird, und legst du das Handy manchmal genau deshalb wieder weg?
Ich merke es, sobald ich mehr an die passende Aufnahme als an den Moment selbst denke. Dann lege ich das Handy bewusst weg. Meine Kinder brauchen in diesem Augenblick ihren Vater und keinen Content Creator. Einen Beitrag kann ich später neu planen. Ein echter Familienmoment kommt nicht zurück.
Ich bin dabei auch nicht perfekt. Auch ich muss lernen, dass ich nicht jeden schönen Moment filmen oder posten muss. Und genau daran möchte ich in Zukunft noch mehr arbeiten. Mein Ziel ist es, das Handy bewusster wegzulegen und gewisse Momente nur für uns als Familie zu behalten.
Dazu gehört für mich auch eine gute Planung. Wann produziere ich Content? Wann poste ich etwas? Und wann ist ganz bewusst Familienzeit? Wenn ich das besser trenne, kann ich meinen Job als Content Creator machen und gleichzeitig in den wichtigen Momenten einfach Papa sein.
Denn am Ende möchte ich nicht alles durch eine Kamera erleben, sondern vor allem mit meiner Familie.

Väter im Netz
Familiencontent wird auf Social Media stark von Müttern geprägt. Erlebst du es anders, als Vater über Familienalltag zu sprechen?
Ja. Väter sprechen in der Öffentlichkeit noch immer seltener offen über Gefühle, Überforderung oder die emotionale Seite des Familienlebens. Ich möchte zeigen, dass ein Vater liebevoll, präsent und verletzlich sein darf. Für mich gehört es dazu, Gefühle zu zeigen und offen zu sagen, wie wichtig die Familie ist.
Was schreiben dir Väter, was schreiben dir Mütter?
Väter fragen mich oft: «Wie gehst du damit um, dass du Vollzeit arbeitest und dadurch nicht so viel Zeit mit deiner Familie verbringen kannst?» Viele kennen diese Situation selbst und erzählen mir, wie schwierig es ist, Arbeit und Familienleben miteinander zu verbinden.
Mütter haben mich auch schon gefragt: «Könntest du dir vorstellen, die Rollen einmal ganz zu tauschen? Deine Frau arbeitet zu 100 Prozent und du bleibst zu Hause bei den Kindern?» Solche Nachrichten finde ich spannend, weil sie zeigen, dass sich viele Eltern Gedanken über die Aufteilung von Arbeit und Kinderbetreuung machen. Für mich zählt am Ende, dass wir als Familie gemeinsam eine Lösung finden, die für uns alle passt.

Mode und persönlicher Stil
Mode gehört bei dir immer wieder zum Content. Entscheidest du heute anders, was du trägst, als vor deiner Zeit als Vater?
Ja, heute achte ich stärker darauf, dass Kleidung gut aussieht und gleichzeitig alltagstauglich ist. Als Vater muss ich mich bewegen, spielen und spontan mit den Kindern losziehen können. Mein Stil ist mit der Zeit klarer und erwachsener geworden. Trotzdem probiere ich weiterhin gerne neue Looks aus und bleibe meinem eigenen Stil treu.

Familie und Alltag
Wie bringst du das Filmen und Posten mit dem Familienleben unter einen Hut?
Ich plane meine Inhalte so gut es geht im Voraus und nutze bewusst die Zeiten, in denen meine Kinder schlafen. Ich stehe morgens sehr früh auf, um ins Fitness zu gehen. Wenn ich nicht trainiere, stehe ich trotzdem früh auf und erledige bereits Arbeiten im Büro. Auch am Abend, wenn die Kinder schlafen, sitze ich teilweise nochmals am Computer. Diese ruhigen Stunden nutze ich für mich, mein Training und meine Arbeit auf Social Media.
Wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, möchte ich wirklich präsent sein. Das gelingt mir nicht immer perfekt. Eine Zeit lang habe ich unterschätzt, wie viel Zeit Social Media und die ganze Arbeit dahinter beanspruchen. Darüber habe ich offen mit meiner Frau gesprochen und gemerkt, dass wir das Ganze besser planen und klarer voneinander trennen müssen.
Heute spreche ich Termine, Drehs und Produktionen mit meiner Frau ab. Ohne ihre Unterstützung wäre vieles nicht machbar. Gleichzeitig möchte ich darauf achten, dass unsere gemeinsame Familienzeit nicht unter meiner Arbeit leidet.
Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich habe gelernt: Eine gute Struktur und klare Zeiten für Arbeit, Content und Familie sind für mich die halbe Miete. Und auch daran arbeite ich weiterhin.
Gibt es etwas am Vatersein, auf das dich niemand vorbereitet hat?
Niemand hat mich darauf vorbereitet, wie tief die Liebe zu den eigenen Kindern geht. Gleichzeitig trägt man jeden Tag eine grosse Verantwortung. Man möchte sie beschützen, ihnen Werte mitgeben und ihnen trotzdem genug Freiheit lassen. Auch die Sorge, ob man alles richtig macht, gehört dazu. Vatersein fordert mich, macht mich aber auch zu einem besseren Menschen.
Zum Schluss
Was wünschst du dir, dass deine Kinder später über diese Jahre denken?
Ich wünsche mir, dass sie sagen können: Unser Papa war für uns da. Er hat mit uns gelacht, uns zugehört und an uns geglaubt. Sie sollen wissen, dass ich nicht perfekt war, aber jeden Tag mein Bestes gegeben habe. Und ich hoffe, dass sie meinen wichtigsten Leitsatz mitnehmen: «Geht nicht, gibt’s nicht.»
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Wer mehr von Simon Aemmer sehen möchte, findet auf seiner Website und seinen Social-Media-Kanälen weitere Einblicke in seinen Alltag, sein Familienleben und seinen persönlichen Stil. Neue Inhalte teilt er regelmässig auf Instagram und TikTok.



