Donnerstag, 15. Oktober 2026 |
Newsletter
⚡ Breaking
News  |  Erziehung & Bildung
Erziehung & Bildung

25 oder 140 Meter: Was auf dem Schulweg im Dunkeln den Unterschied macht

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
15.10.2026
Person geht bei Dämmerung auf einem dunklen Weg
Nach den Herbstferien fällt ein Teil des Schulwegs wieder in die frühe Dämmerung.

Nach den Herbstferien hat sich am Schulweg selbst oft nichts verändert. Die Strassen sind dieselben, der Fussgängerstreifen liegt am gleichen Ort, und auch der Weg zum Schulhaus ist vertraut. Verändert haben sich jedoch die Bedingungen: Am Morgen wird es später hell, am Nachmittag früher dunkel, und Nebel oder Regen können die Sicht zusätzlich erschweren.

Für Kinder kann das einen erheblichen Unterschied machen. Bei Dunkelheit verdreifacht sich das Unfallrisiko. Gleichzeitig entscheidet die Sichtbarkeit darüber, ob Autofahrende eine Person erst aus 25 Metern oder mit reflektierenden oder leuchtenden Elementen aus bis zu 140 Metern Entfernung erkennen können.

Wenn der Schulweg plötzlich im Dunkeln liegt

Im Herbst und Winter treffen mehrere ungünstige Bedingungen zusammen. Die Dämmerung setzt früher ein, am Morgen kann Nebel die Sicht beeinträchtigen, und nasse Strassen gehören häufiger zum Alltag. Die Zeitumstellung verstärkt die frühe Dunkelheit zusätzlich.

Der TCS beziffert das Unfallrisiko bei Dunkelheit auf das Dreifache gegenüber dem Tag. Kommen widrige Bedingungen wie Regen, Schnee oder Nebel hinzu, kann sich das Risiko sogar verzehnfachen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Schulweg im Herbst plötzlich gefährlich ist. Es bedeutet aber, dass eine vertraute Strecke unter anderen Sichtbedingungen zurückgelegt wird. Für Autofahrende bleibt weniger Zeit, eine dunkel gekleidete Person zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Schweizer Unfallzahlen zeigen zugleich, warum eine nüchterne Einordnung wichtig ist. 2025 ereigneten sich in der Schweiz 327 Schulwegunfälle. Dabei wurden 48 Kinder schwer und 279 leicht verletzt. Todesopfer gab es keine.

Zwischen 25 und 140 Metern liegen Sekunden zum Reagieren

Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Entfernung, aus der Menschen erkannt werden. Eine dunkel gekleidete Person ist bei Dunkelheit für Autofahrende erst aus 25 Metern sichtbar. Personen mit reflektierenden oder leuchtenden Elementen können aus bis zu 140 Metern erkannt werden.

Zwischen beiden Werten liegen 115 Meter. Dabei geht es nicht darum, Kinder möglichst auffällig anzuziehen, weil Dunkelheit automatisch eine akute Gefahr bedeutet. Der zusätzliche Abstand verschafft Fahrzeuglenkenden vielmehr mehr Zeit, eine Person wahrzunehmen und auf sie zu reagieren.

Schwierige Sichtverhältnisse beschränken sich zudem nicht auf die Nacht. Nebel, Regen, Schnee oder Gegenlicht können auch tagsüber dafür sorgen, dass Personen im Strassenraum schlechter erkannt werden. Gerade im Herbst kann deshalb ein Schulweg am hellen Morgen andere Bedingungen bieten als dieselbe Strecke an einem nebligen oder verregneten Tag.

Kinder können Verkehr noch nicht wie Erwachsene einschätzen

Bei Kindern kommt zur schlechteren Sichtbarkeit hinzu, dass sie Verkehrssituationen anders beurteilen als Erwachsene. Geschwindigkeiten und Entfernungen von Fahrzeugen können sie nur schlecht einschätzen. Gerade bei jüngeren Kindern ist deshalb nicht nur entscheidend, ob sie ein Auto sehen, sondern auch, wie sie dessen Verhalten verstehen.

Das zeigt sich besonders am Fussgängerstreifen. Fährt ein Auto langsam heran und gibt die Person am Steuer zusätzlich ein Handzeichen oder betätigt die Lichthupe, kann das ein Kind verunsichern. An Fussgängerstreifen soll deshalb ganz angehalten werden.

Vier Kinder überqueren auf dem Schulweg einen Fussgängerstreifen
Am Fussgängerstreifen ist für Kinder eine eindeutige Verkehrssituation besonders wichtig. Bild: TCS

Die BFU weist zudem darauf hin, dass das menschliche Auge Farben und Details bei Dunkelheit schlechter erkennen kann als bei Tageslicht. Kinder verunfallen als Fussgänger besonders häufig in der Herbst- und Winterzeit am Morgen oder am späten Nachmittag. Die Unfallschwere im Strassenverkehr nimmt bei Dämmerung und Nacht zu.

Reflektierend und fluoreszierend ist nicht dasselbe

Bei gut sichtbarer Kleidung werden zwei Prinzipien häufig miteinander vermischt. Reflektierende Materialien benötigen eine Lichtquelle. Sie werfen beispielsweise das Licht eines Autoscheinwerfers zurück und sorgen so dafür, dass eine Person in der Dunkelheit früher erkannt werden kann.

Fluoreszierende Farben erfüllen eine andere Aufgabe. Auffällige Farben wie Gelb, Orange oder Pink leuchten bereits bei Tageslicht und sind auch in der Dämmerung gut sichtbar.

Der TCS verteilt Leuchtwesten an Kindergarten- und Erstklasskinder. Darüber hinaus geht es bei der Sichtbarkeit nicht um ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Marke, sondern um die unterschiedlichen Wirkungsweisen von reflektierenden und fluoreszierenden Materialien.

Zwei Kinder mit Leuchtwesten gehen auf einem Trottoir
Gut sichtbare Kleidung kann dazu beitragen, dass Kinder im Strassenverkehr früher wahrgenommen werden. Bild: TCS

Was Eltern am Schulweg verändern können

Eltern müssen wegen der früheren Dunkelheit keinen neuen Schulweg suchen, wenn die bisherige Strecke grundsätzlich geeignet ist. Sinnvoll ist aber, den bekannten Weg nochmals unter den Bedingungen anzuschauen, unter denen das Kind ihn im Herbst tatsächlich zurücklegt. Eine Stelle, die im Sommer gut überschaubar war, kann im Dunkeln oder bei Nebel anders wirken.

Dabei lässt sich gemeinsam prüfen, wo Strassen überquert werden, wo parkierte Fahrzeuge die Sicht einschränken und an welchen Stellen ein Kind für andere Verkehrsteilnehmende möglicherweise spät erkennbar ist.

Ebenso wichtig ist, die Regeln am Fussgängerstreifen nicht nur einmal zu erklären. Kinder sollten wissen, dass sie erst losgehen, wenn ein herannahendes Fahrzeug vollständig angehalten hat. Gerade wenn Sicht und Wetter wechseln, ist ein stehendes Fahrzeug für ein Kind eindeutiger als ein Handzeichen aus dem Auto.

Der Schulweg muss dadurch nicht zu einem täglichen Gefahrenparcours erklärt werden. Er bleibt für Kinder ein Stück Selbstständigkeit.

Themen
0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Das könnte Sie auch interessieren