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Warum der Schulweg zu Fuss mehr wert ist als die Fahrt im Elterntaxi

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
10.08.2026
schulweg zu fuss elterntaxi, Kinder überqueren mit einer Begleitperson einen Fussgängerstreifen
Der sichere Schulweg beginnt mit Aufmerksamkeit und genügend Zeit.
Darum gehts
  • Immer mehr Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, aus Angst vor Unfällen.
  • Gerade die Elterntaxis sorgen vor den Schulen für gefährliche Situationen.
  • Der Schulweg zu Fuss fördert Selbstständigkeit, Bewegung und soziale Kontakte.

Vor dem Schulhaus staut es sich um Viertel vor acht. Autos halten in zweiter Reihe, Türen gehen auf, Kinder springen zwischen den Wagen hindurch auf den Eingang zu. Was viele Eltern aus Sorge um die Sicherheit tun, ihr Kind mit dem Auto direkt vor die Schule fahren, schafft genau dort die Gefahr, die sie vermeiden wollten. Dabei ist der Weg zu Fuss für Kinder weit mehr als eine Strecke von A nach B.

Das Chaos vor dem Schulhaus

Das sogenannte Elterntaxi ist längst kein Einzelfall mehr. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto bis direkt vor das Schulhaus oder holen sie dort wieder ab. Laut verschiedenen Kantonspolizeien entwickelt sich das zunehmend zu einem schweizweiten, teilweise sogar europaweiten Problem.

Vor allem kurz vor Unterrichtsbeginn entstehen dadurch unübersichtliche Situationen. Autos halten in zweiter Reihe, wenden auf engem Raum oder blockieren Fussgängerstreifen. Zwischen ein- und aussteigenden Kindern wird die Sicht eingeschränkt, gleichzeitig stehen die Erwachsenen häufig unter Zeitdruck.

Ausgerechnet dort, wo Kinder sicher ankommen sollen, steigt dadurch das Risiko für alle, die zu Fuss unterwegs sind.

Was der Schulweg für Kinder bedeutet

Der Schulweg ist weit mehr als der Weg zwischen Zuhause und Klassenzimmer. Kinder lernen dabei, sich im Strassenverkehr zu orientieren, Entfernungen einzuschätzen und Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen.

schulweg zu fuss, Kinder gehen gemeinsam auf einem Fussweg
Gemeinsam zur Schule zu gehen stärkt Selbstständigkeit und soziale Kontakte.

Ebenso wichtig ist, was unterwegs nebenbei passiert. Freundschaften entstehen auf dem gemeinsamen Weg, kleine Konflikte werden selbst gelöst und die Umgebung wird Stück für Stück vertraut. Der tägliche Weg gibt Kindern ein Stück Selbstständigkeit, das sich nicht im Klassenzimmer vermitteln lässt.

Hinzu kommt die Bewegung. Wer zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule gelangt, startet aktiver in den Tag. Studien zeigen laut der Kantonspolizei Bern, dass diese Kinder im Unterricht häufig konzentrierter und leistungsfähiger sind.

Die Angst der Eltern, und was die Zahlen sagen

Dass Eltern ihre Kinder fahren, hat meist einen nachvollziehbaren Grund. Laut einer TCS Studie aus dem Jahr 2019 steht die Sorge vor Verkehrsunfällen an erster Stelle.

Diese Angst kommt nicht von ungefähr. Nach Angaben der Beratungsstelle für Unfallverhütung ereignen sich rund 40 Prozent der schweren Unfälle mit Kindern auf dem Schulweg. Das Bundesamt für Strassen Astra registrierte im Jahr 2021 insgesamt 532 Schulwegunfälle, davon 452 mit Verletzten. Das entspricht ungefähr zwei Unfällen pro Schultag.

Je nach Region unterscheiden sich die Gewohnheiten deutlich. In der Westschweiz bringen laut TCS rund 30 Prozent der Eltern ihre Kinder regelmässig mit dem Auto zur Schule. In der Deutschschweiz sind es rund 7 Prozent.

Warum das Elterntaxi das Problem verschärft

Aus Angst vor einem Unfall bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Gleichzeitig entstehen gerade durch die vielen Fahrzeuge vor dem Schulhaus neue Gefahren.

Haltende Autos versperren die Sicht auf Fussgängerstreifen, Kinder treten zwischen parkierenden Fahrzeugen hervor und andere Verkehrsteilnehmende reagieren unter Zeitdruck oft hektisch. Das erschwert besonders den Kindern den Schulweg, die zu Fuss unterwegs sind.

Deshalb empfehlen sowohl der TCS als auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung, Kinder schrittweise an einen selbstständigen Schulweg heranzuführen und wenn möglich auf das Elterntaxi zu verzichten.

Nicht immer lässt sich das vermeiden. Wer wegen der Distanz, der Arbeit oder anderer Umstände auf das Auto angewiesen ist, kann sein Kind an einem sicheren Treffpunkt einige Minuten von der Schule entfernt aussteigen lassen. Das letzte Stück zu Fuss entschärft die Situation direkt vor dem Schulhaus deutlich.

Wie Kinder sicher zu Fuss gehen lernen

Der sicherste Schulweg ist laut BFU grundsätzlich der zu Fuss. Entscheidend ist dabei nicht der kürzeste, sondern der sicherste Weg. Viele Gemeinden stellen dafür Schulwegpläne zur Verfügung.

Empfohlen wird, den Weg bereits drei bis vier Wochen vor dem ersten Schultag gemeinsam zu üben. Unterschiedliche Tageszeiten helfen, Gefahrenstellen besser kennenzulernen. Kreuzungen, Fussgängerstreifen und unübersichtliche Stellen sollten immer wieder besprochen und gemeinsam geübt werden.

Mit der Zeit können Eltern ihr Kind immer mehr Verantwortung übernehmen lassen. Anfangs begleitet, später selbstständig, abgestimmt auf Alter und Entwicklung. Ausreichend Zeit am Morgen verhindert Hektik, helle Kleidung und Reflektoren an Jacke, Schuhen oder Rucksack verbessern zusätzlich die Sichtbarkeit.

Kinder lernen Verkehrsregeln vor allem durch Vorbilder. Wer selbst aufmerksam unterwegs ist und sichere Gewohnheiten vorlebt, vermittelt diese ganz selbstverständlich weiter. So wie andere Schritte in der Entwicklung wächst auch Selbstständigkeit mit jeder Erfahrung auf dem eigenen Schulweg.

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