Bezahlte Kolumne
Kennen Sie das traurige Lied «Ich bin keine Nummer mehr»? Dort kehrt ein Mann nach ein paar Jahren im Gefängnis nach Hause. Heute ist niemand beleidigt, wenn man ihn nach seiner Nummer fragt. Fast jeder hat ein Handy oder eben ein Smartphone. Einmal behauptete jemand, Handy und Smartphone sei dasselbe. Diese Meinung teile ich nicht: Mit dem Handy kann man nicht ins Internet. Vor vielen Jahren las ich: «Wer heute gegen Handys ist, war früher gegen Telefonkabinen. Das Handy ist nämlich nichts anderes als eine tragbare Telefonkabine. Nur kleiner, bedienungsfreundlicher und etwas leichter.»
Auch da war ich anderer Meinung: Der grosse Unterschied ist, dass man über eine Telefonkabine nicht erreichbar war. Als meine Mutter lebte, wollte ich auf keinen Fall ein Handy, denn ich wollte nicht von ihr angerufen werden. Ich kaufte nicht sofort nach ihrem Tod ein Handy.
Ich besorgte mir ein solches Gerät, als ich etwas Wahnsinniges machte, worüber Sie auf www.meinlangerweg.ch lesen können. Meine Biografie schrieb ich aber hauptsächlich, weil ich meiner Mutter nicht mehr sagen durfte, was ich noch wollte. Und das Wahnsinnige machte ich wegen der Biografie.
Besuchen Sie meine Homepage, aber bestellen Sie das Buch direkt bei mir und nicht beim Verlag, damit ich mir Ausstellungen im 2027, an denen ich wegen der Inklusionsinitiative teilnehmen möchte, leisten kann und ich Sie dort begrüssen darf.
Ich beobachte, wie ein Mann beim Bahnhof den Fahrplan studierte und dann auf seinem Handy nach der Zeit schaute. Er trug eine Armbanduhr… Jemand schaute im Zug auf dem Smartphone, wann er am Zielort ist. Er hätte aufstehen und zwei Schritte nach links machen müssen, dann hätte er es auf dem Monitor gesehen.
Im fremden Bahnhof wollte er auf dem Smartphone schauen, ob er auf dem richtigen Weg zum Busbahnhof sei. Wenn er nach vorne statt auf sein Gerät geblickt hätte, hätte er die Busse gesehen… Wenn man sich nur aufs Smartphone konzentriert, könnte man mit jemandem zusammenstossen. Das wäre keine Katastrophe.
Schlimmer ist es, wenn man im Auto telefoniert. Ist die Freisprechanlage Fluch oder Segen? Es heisst, man solle zum Telefonieren im Auto die Fahrt unterbrechen. Wozu hat man dann eine Freisprechanlage? Die wenigsten halten sich wohl daran.
Mich geht das auch etwas an: Ein Telefongespräch ist eine Ablenkung. Ein abgelenkter Autofahrer könnte mich überfahren. Natürlich habe ich nicht Angst davor.
Einmal rief ich jemanden an und bekam den Telefonbeantworter zu hören: «Ihr Gesprächspartner ist gerade mit dem Auto unterwegs. Bitte warten Sie.» Plötzlich meldete sich der Mann und teilte mir mit, wann er zu Hause sei und zurückrufe. Das dauerte wenige Sekunden. Ich fragte ihn später nach den Umständen dieser kurzen Kommunikation. «Ich habe schnell über Freisprechanlage telefoniert.» So muss man es machen.
Ich bin natürlich nicht gegen Handys: Als ich mit dem Velo verunglückte, war es gut, dass die Ambulanz mittels Mobiltelefon schnell alarmiert werden konnte. Das war wohl der ursprüngliche Zweck des Handys: Im Notfall schnell Hilfe anfordern. Ein Video, das mit dem Smartphone aufgenommen wurde, kann als Beweismittel dienen.
Ich spaziere oft im Wald über Stock und Stein, dort wo ich leicht stürzen könnte. Doch in dieser Zeit liegt mein Handy zu Hause auf dem Schreibtisch. Wenn ich umfalle, stehe ich wieder auf. Wenn ich nicht mehr aufstehen könnte, würde ich um Hilfe rufen. Und wenn ich das nicht mehr könnte, dann könnte ich auch nicht mehr mit dem Handy telefonieren.
Papa meinte: «Man könnte dich orten.» Ich glaube, es ist besser, wenn ich nicht in eine solche Situation gerate. Ohne Handy bin ich vorsichtiger und bei meinem alten Gerät wäre wohl eine Ortung sowieso nicht möglich.
Mein Handy ist nicht nur alt, sondern wie das erste sogar seit Anfang kaputt. Es funktioniert nur, wenn ich einige Sekunden eine bestimmte Taste drücke und danach einen Code eingebe… Nein, natürlich lasse ich es absichtlich fast immer ausgeschaltet.
Ich bekomme nie eine Handyrechnung: Ich lade in der Migros Geld auf das Handy, ein Abo würde sich kaum lohnen. Ich benutze mein Natel aber nicht wegen den Kosten so wenig. Und vielleicht ändert sich das bald.
Bei der Anmeldung für einen bestimmten Anlass gab ich widerwillig die Handynummer an und schrieb, dass ich das Gerät nur an diesem Abend einschalte.
Über die Autorin
Heidi Vogel lebt in Entlebuch und hat ihre Lebensgeschichte im Buch «Mein langer Weg» festgehalten. Eine Reise nach Australien, die sie sich selbst ermöglichte, gehört zu den besonderen Kapiteln ihres Lebens. Mehr über sie und ihr Buch: meinlangerweg.ch



