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Was ein Kind wirklich kostet, und warum die grösste Rechnung unsichtbar bleibt

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
03.08.2026
was kostet ein kind schweiz, Paar bespricht am Küchentisch die Familienfinanzen
Die sichtbaren Ausgaben für ein Kind sind nur ein Teil der finanziellen Rechnung.
Darum gehts
  • Die direkten Kosten eines Kindes liegen bis zur Volljährigkeit bei rund 350'000 Franken.
  • Rechnet man Lohnverzicht und Vorsorgelücken dazu, kommt man auf gegen eine Million.
  • Mit früher Planung lassen sich vor allem die versteckten Kosten spürbar abfedern.

Die Windeln, der Kinderwagen, später das Velo und das erste Handy, das rechnen werdende Eltern zusammen und erschrecken schon genug. Doch die grösste Rechnung taucht in keiner dieser Aufstellungen auf. Sie steht auf keinem Kassenzettel, sondern versteckt sich im Lohnausweis, der Jahr für Jahr etwas kleiner ausfällt, und in der Rente, die Jahrzehnte später tiefer liegt. Wer wissen will, was ein Kind in der Schweiz wirklich kostet, muss die sichtbaren Ausgaben und die unsichtbaren zusammenzählen. Und die unsichtbaren wiegen oft schwerer.

Die Rechnung, die auf keinem Kassenzettel steht

Auf dem Tisch liegt eine Liste. Kinderwagen, Bettchen, Windeln, Krankenkasse. Vielleicht steht daneben bereits ein Betrag für die Kita. Wer ein Kind erwartet, beginnt früher oder später zu rechnen.

Das Problem ist nicht, dass diese Rechnung falsch wäre. Sie ist nur unvollständig.

Ein Kinderwagen hat einen Preis. Auch neue Schuhe, der Musikunterricht oder später das Handy lassen sich einem Monat oder einem Jahr zuordnen. Schwieriger wird es bei einem Pensum, das von 100 auf 60 Prozent sinkt. Der fehlende Lohn erscheint auf keiner Rechnung für das Kind. Er fehlt einfach jeden Monat.

Noch unsichtbarer ist, was Jahrzehnte später passiert. Weniger Erwerbseinkommen kann tiefere Einzahlungen in die Altersvorsorge bedeuten. Aus einem Entscheid, der im Familienalltag sinnvoll oder notwendig war, kann so eine Vorsorgelücke entstehen.

Genau deshalb reicht der Blick auf Windeln und Kinderkleider nicht aus.

Was ein Kind direkt kostet

Die letzte Kinderkosten Tabelle des Kantons Zürich gibt einen konkreten Richtwert. Für ein Einzelkind im ersten bis vierten Altersjahr wurden durchschnittliche direkte Kosten von 1’440 Franken pro Monat ausgewiesen. Zwischen fünf und zwölf Jahren waren es 1’575 Franken. Bei Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren stieg der Betrag auf 1’920 Franken monatlich. Die Tabelle berücksichtigte unter anderem Ernährung, Kleidung, Wohnen, Krankenkasse, Gesundheit sowie Freizeit. Externe Betreuungskosten und Betreuungsunterhalt waren nicht enthalten.

Über die ersten 18 Lebensjahre ergibt sich daraus je nach Berechnungsgrundlage eine Grössenordnung von mehreren Hunderttausend Franken. Rund 350’000 Franken werden häufig als Richtwert genannt. Solche Summen sind allerdings Durchschnittswerte. Wohnort, Einkommen, Familiengrösse und Lebensstil verändern die Rechnung erheblich.

Bei Geschwistern sinken die durchschnittlichen Kosten pro Kind. Pro Familia nennt für zwei Kinder zusammen durchschnittlich 1’310 Franken pro Monat, also 635 Franken pro Kind. Bei drei Kindern sind es zusammen 1’583 Franken oder durchschnittlich 528 Franken pro Kind. Der Grund ist einfach: Wohnraum, Spielsachen oder andere Anschaffungen lassen sich teilweise gemeinsam nutzen oder weitergeben. Die zugrunde liegenden Pro Familia Zahlen basieren allerdings auf einer älteren Schweizer Kinderkosten Studie und sollten deshalb als Orientierung gelesen werden.

Die Frankenbeträge zeigen vor allem eines: Die Kosten eines Kindes lassen sich nicht auf den Einkauf im Babyfachgeschäft reduzieren.

Der teuerste Posten sind nicht die Windeln

Windeln verschwinden irgendwann aus dem Einkaufswagen. Die Betreuungsrechnung bleibt oft über Jahre.

Ein Krippenplatz kann das Familienbudget deutlich stärker belasten als Kleidung oder Spielsachen. Je nach Wohnort, Einkommen, Subventionen und Betreuungspensum unterscheiden sich die effektiven Kosten stark. Gerade während der Jahre vor dem Kindergarten kann die familienergänzende Betreuung zu einem der grössten sichtbaren Posten im Budget werden.

Das führt zu einer Rechnung, die auf den ersten Blick paradox wirken kann. Ein Elternteil arbeitet mehr und verdient dadurch mehr. Gleichzeitig steigt der Betreuungsbedarf. Je nach Tarif und Steuersituation bleibt vom zusätzlichen Einkommen weniger übrig als erwartet.

Mit dem Eintritt in den Kindergarten verändert sich die Rechnung erneut. Die Betreuungskosten können sinken, verschwinden aber nicht automatisch. Mittagstisch, Hort und Ferienbetreuung gehören für berufstätige Eltern weiterhin zum Familienbudget.

Doch selbst eine hohe Krippenrechnung ist sichtbar. Sie kommt jeden Monat und trägt einen Frankenbetrag.

Die wirklich grosse Rechnung funktioniert anders.

Die versteckte Rechnung: Lohn und Rente

Angenommen, ein Elternteil reduziert nach der Geburt sein Arbeitspensum. Nicht für sechs Monate, sondern für zehn Jahre.

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Weniger Erwerbseinkommen kann sich Jahrzehnte später auch bei der Altersvorsorge bemerkbar machen.

Jeden Monat fällt der Lohn tiefer aus. Vielleicht bleibt eine Beförderung aus. Ein Stellenwechsel wird verschoben, weil die Arbeitszeiten der neuen Stelle nicht zum Familienalltag passen. Während Kolleginnen und Kollegen Berufserfahrung in höheren Funktionen sammeln, bleibt die eigene Karriere für einige Jahre langsamer.

Diese Kosten stehen in keiner Kinderkosten Tabelle.

Hinzu kommt die Vorsorge. Wer weniger verdient, zahlt in der Regel weniger in die berufliche Vorsorge ein. Besonders relevant wird dies bei tiefen Einkommen. Die Eintrittsschwelle für die obligatorische berufliche Vorsorge liegt 2026 bei einem Jahreslohn von 22’680 Franken. Wer bei einem Arbeitgeber darunter verdient, ist grundsätzlich nicht obligatorisch über dessen Pensionskasse versichert.

Aus einem kleineren Lohnausweis kann deshalb Jahrzehnte später ein kleineres Altersguthaben werden.

Genau hier liegt der Aha Punkt der gesamten Rechnung. Die sichtbaren Ausgaben begleiten ein Kind durch den Alltag. Die indirekten Kosten begleiten die Eltern unter Umständen bis zur Pensionierung.

Warum es vor allem die Mütter trifft

In Schweizer Familien ist die Reduktion des Arbeitspensums weiterhin ungleich verteilt.

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Teilzeitarbeit kann über Jahre Auswirkungen auf Einkommen und Altersvorsorge haben.

2021 arbeiteten 78,1 Prozent der erwerbstätigen Mütter Teilzeit. Neuere Schweizer Arbeitsmarktdaten zeigen weiterhin einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Teilzeitarbeit.

Das ist kein Vorwurf an einzelne Familien. Hinter jedem Pensumentscheid stehen Betreuung, Einkommen, Berufsmöglichkeiten und persönliche Vorstellungen davon, wie der Familienalltag aussehen soll.

Finanziell bleibt die Wirkung trotzdem dieselbe. Weniger Lohn bedeutet weniger verfügbares Einkommen. Je nach Pensionskassenmodell können zudem tiefere Vorsorgebeiträge entstehen. Wer über Jahre stark reduziert arbeitet, sollte deshalb nicht nur auf den monatlichen Nettolohn schauen.

Entscheidend ist die Frage, was der Pensumentscheid in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren bedeutet.

Gerade bei Paaren lohnt es sich deshalb, die Rechnung nicht als persönliche Angelegenheit der Person zu betrachten, die zu Hause mehr Betreuung übernimmt. Wenn ein Elternteil sein Pensum für die Familie reduziert, betrifft die finanzielle Folge letztlich die gemeinsame Organisation des Familienlebens.

Was der Staat zurückgibt

Die Rechnung besteht nicht nur aus Ausgaben und Einkommensverlusten. Familien werden über verschiedene Instrumente entlastet.

Dazu gehören Kinderzulagen, steuerliche Kinderabzüge und je nach Einkommen Prämienverbilligungen. Bei der direkten Bundessteuer können unter bestimmten Voraussetzungen auch nachgewiesene Kosten für die Fremdbetreuung von Kindern abgezogen werden. Seit der Steuerperiode 2025 beträgt der maximale Abzug auf Bundesebene 25’800 Franken pro Kind. Die konkreten Voraussetzungen müssen erfüllt sein, und bei den kantonalen Steuern gelten unterschiedliche Regelungen.

Diese Entlastungen reduzieren die finanzielle Belastung. Sie machen die Kosten eines Kindes aber nicht rückgängig.

Wer seine persönliche Situation berechnen möchte, sollte deshalb die Regeln des eigenen Wohnkantons prüfen. Gerade bei Steuern, Prämienverbilligungen und Betreuungstarifen können die Unterschiede erheblich sein.

Wie man die unsichtbaren Kosten abfedert

Der wichtigste Zeitpunkt für die finanzielle Planung liegt nicht erst dann, wenn die erste hohe Krippenrechnung im Briefkasten steckt.

Ein Familienbudget vor der Geburt zeigt früh, welche Monate oder Jahre besonders teuer werden könnten. Dabei lohnt es sich, nicht nur Windeln, Krankenkasse und Betreuung einzutragen. Auch der erwartete Lohn nach einer Pensumsreduktion gehört in die Rechnung.

Noch wichtiger ist das Gespräch über die Aufteilung der Erwerbsarbeit. Statt automatisch davon auszugehen, dass eine Person ihr Pensum stark reduziert, können Paare verschiedene Modelle durchrechnen. Zwei moderat reduzierte Pensen können für die Vorsorge anders wirken als ein Vollzeitpensum und ein sehr tiefes Teilzeitpensum. Welche Lösung finanziell sinnvoll ist, hängt allerdings vom Einkommen und den jeweiligen Pensionskassen ab.

Auch der Blick in den Vorsorgeausweis gehört zur Familienplanung. Wer Teilzeit arbeitet, sollte prüfen, welcher Lohn tatsächlich versichert ist und wie die eigene Pensionskasse Teilzeitpensen behandelt. Die gesetzliche Eintrittsschwelle liegt 2026 bei 22’680 Franken Jahreslohn.

Regelmässige Einzahlungen in die Säule 3a können helfen, die private Vorsorge zu stärken. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch fehlende Beiträge in der zweiten Säule. Bei grösseren Vorsorgelücken oder komplexen Erwerbsmodellen lohnt sich eine individuelle, unabhängige Vorsorgeberatung.

Und dann gibt es den einfachsten Schritt, der keinen Taschenrechner braucht: über Geld sprechen. Nicht erst, wenn es knapp wird. Wer reduziert das Pensum? Wer trägt dadurch langfristige finanzielle Nachteile? Wie wird damit als Paar umgegangen? Und was würde bei einer Trennung passieren?

Die Frage, Sind Kinder heute ein Luxus geworden?, haben wir bereits von der gesellschaftlichen Seite betrachtet. Bei der persönlichen Familienrechnung zeigt sich dieselbe Spannung noch konkreter: Der Wert eines Kindes lässt sich ohnehin nicht in Franken messen. Gerade deshalb hilft es, die Zahlen zu kennen. Damit aus einer unsichtbaren Rechnung nicht irgendwann eine Sorge wird, mit der niemand gerechnet hat.

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